Harissa
Etwas nördlich von Beirut trennt das schroff ins Meer fallende Libanongebirge eine Bucht ab, in der bis zum Bürgerkrieg das Dorf Jounieh lag. Durch die Bombardierung Beiruts 1982 flüchteten zahlreiche Bewohner der Hauptstadt nach Jounieh, wo sich heute ein Meer von Betonwohnblöcken erhebt, die, zuerst als Notunterkünfte gedacht, die Bausteine der neugewachsenen Stadt geworden sind.
Über der Bucht von Jounieh thront der Tafelberg von Harissa, der abgesehen vom schönen Ausblick den er über Beirut und die Bucht bietet, eine große Bedeutung für das libanesische Christentum hat: auf dem Berg befindet sich neben mehreren Klöstern und Seminaren verschiedener katholischer Ostkirchen der Sitz des maronitischen Patriarchen von Antiochien und dem ganzen Osten. Auf dem Scheitelpunkt des Berges befindet sich das Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Libanon. Gegründet im Jahre 1908, bietet es heute neben der schönen Statue Unserer Lieben Frau eine zeitgenößische Kirche im esthetisch zweifelhaften Stahlbeton-Stil. Die Statue selbst soll, wie das ganze Heiligtum, auf die Bucht von Jounieh ausgerichtet gewesen sein, bis sie sich während des Bombardements von Beirut aus Schmerz der Hauptstadt zugewandt hat – und so steht sie bis heute.
Etwas weiter südlich auf dem Berg von Harissa befindet sich die zweite wichtige Anlage: deutlich kleiner aber dafür hübscher als die Kirche der Maroniten ist St. Paul, eine griechisch-katholische Kirche deren Architektur die Hagia Sophia in Konstantinopel imitiert und deren Innenwände mit Mosaiken bedeckt sind.
Ein weiteres Kleinod in der Gegend von Harissa ist der theresianische Karmel, ein streng klausuriertes Kloster etwas abseits der Gebirgsstraße. Die Schwestern des „Karmel der Einheit“ haben sich dem Gebet für die Wiedervereinigung der Christen verschrieben, folgen in ihrer Liturgie der byzantinischen Tradition und betreiben ein meisterhaftes Ikonenatelier. Viele der modernen Ikonen die karmelitische Heilige darstellen – wie etwa viele Ikonen der Heiligen Theresa vom Kinde Jesu (von Lisieux), die im Libanon sehr verehrt wird – stammen aus diesem Kloster.
